stand by your man
“Stand by your man”
frei nach Tammy Wynette
Hin und wieder muss sich 24 den Vorwurf gefallen lassen einen eher einseitigen Blick auf das weibliche Geschlecht zu werfen.
Wir unterscheiden vorwiegend das hübsche Mädchen in Nöten, süß und blond, man nehme die zwei Kas: Kim und Kate, bzw. die ebenfalls ausgesprochen rettungsbedürftige Audrey,
und ( vorsichtig ausgedrückt ) das Böse in Person, die skrupellose Intrigantin, von gefährlich dunkler Schönheit…, erwähnt seien Nina, Mandy und Sherry.
Zeigt sich hier bereits ein System?
Definitiv!
Aber keine These ohne Gegenthese. Denn die 5. Staffel wartet mit einem weiteren Typus Frau auf.
Die Haarfarbe (siehe Bild) lässt zunächst auch keinen Zweifel an ihrem Platz zwischen Gut und Böse, und gewährleistet damit ihr sicheres Überleben. Und doch fällt sie aus dem Rahmen.
Wir sehen uns also zur Abwechslung konfrontiert mit einer tablettensüchtigen Hausfrau am Rande ihres Nervenzusammenbruchs. Und wer in Staffel 4 ihren Mann kennengelernt hat, dürfte auch keinen Zweifel mehr daran hegen, warum ihr seelisches Gleichgewicht in den Grundfesten erschüttert ist.
Sie lebt abgeschieden und hilflos, unter strenger Beobachtung in ihrem Elfenbeinturm, nachdem ihre Depressionen sie bereits zu einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik geführt hatten. Sie ist hysterisch, unzufrieden und launenhaft, ihr Mann fürchtet nicht zu Unrecht peinliche Entgleisungen, die sich auf seinen Ruf auswirken würden und bemüht sich daher sie vom politischen Alltag fernzuhalten. Ihr Wunsch nach Aufmerksamkeit und Zuwendung lässt sie jedoch genau solche Situationen immer wieder provozieren.
Sympathisch wird sie sofort, da sie stellvertretend für den Zuschauer David Palmers frühes Ableben beweinen darf und – noch viel entscheidender – umgehend den zahllosen, in den Köpfen der treuen Fans auftauchenden, bizarren Verschwörungstheorien Ausdruck und Stimme verleiht, spricht also dem nach Antworten suchenden TV-Konsumenten gewissermaßen aus der Seele.
Ein seiner Ermordung vorausgehender Anruf David Palmers reißt sie aus ihrer Lethargie. Sie bemüht sich ihren Mann von der Bedeutung ihrer Informationen zu überzeugen, doch unter dem Einfluß seines Stabschefs wird ihr Einsatz als Hirngespinst abgetan, ja, es droht bereits die erneute Einweisung in eine Klinik.
Nachdem jedoch die Intrige ans Licht gekommen, ihr guter Ruf wieder hergestellt worden ist, verwandelt sich die labile Frau auf nahezu wunderbare Weise in eine starke First Lady, die ihrer eigenen Meinung vertraut, und für ihre Überzeugung einsteht.
In bester 24-Tradition sind nebensächliche Probleme wie Entzugserscheinungen selbstverständlich kein Thema mehr, sobald Martha den Weg der Gerechten eingeschlägt.
Ein kurzer Vergleich mit ihrer Vorgängerin Sherry Palmer sei noch erlaubt. Mit der skrupellosen Meisterin im Intrigieren hat sie im Grunde kaum etwas gemeinsam, weder den Machthunger, noch den Kampfgeist.
Sie entwickelt sich, wird Stunde um Stunde stärker, gewinnt an Kontur und Durchsetzungskraft, und doch fehlt ihr die verzweifelte Energie, die Sherry ihren Antrieb verliehen hat.
Ihr Kampf liegt in der Überwindung der seelischen Schwäche, der Befreiung aus ihrer Welt voller Lebenslügen, in der Akzeptanz neuer Perspektiven.
Wie lässt sich Martha Logan also in der 24-Welt einordnen?
Sie ist wohl in allererster Linie eine tragische Figur, durch ihre Abhängigkeit vom Präsidenten, einer Schwäche, die den Vorgängen rund um den Präsidenten allerdings erst die richtige Würze verleiht.
Allerdings ist sie auch, und nicht zuletzt eine romantische Figur, denn lieben wir es nicht alle die seelischen Qualen einer geheimen Liebe zu beobachten, die letztlich keine Zukunft hat. ( ausgenommen in der schönen Fernsehwelt )
Und Hand aufs Herz, wessen Blut gerät nicht in Wallung, wenn der gute Aaron seine First Lady anschmachtet, oder umgekehrt, während der Präsident entweder seinen finsteren Plänen nachhängt, oder auch des öfteren nicht so recht weiß wie ihm geschieht. Ausbaden muss es doch immer die getreue Ehefrau, deren Job von Alters her das tapfere Wahren des Scheins ist.
Aber mitnichten Martha, sie geht einen Schritt weiter.
Und so ist sie ebenfalls eine Heldin, denn hat sie nicht am Ende buchstäblich so gut wie alles geopfert um Jack Bauer, bzw. dem Guten in Person zum Sieg zu verhelfen?
Sie hat, und sie ist über sich selbst hinausgewachsen, eine Figur, die eine Wandlung durchmacht, der es gelingt sich innerhalb von 24 Stunden ( ok, mehr Zeit hat sie auch nicht ) zu entwickeln, vergleichbar nur noch mit der einzigartigen Dinah Araz, verkörpert von der phantastischen Shohreh Aghdashloo.
Deren eindrucksvollen schauspielerischen Leistung steht jedoch Jean Smart in ihrer Rolle als Martha Logan in keinster Weise nach. Sie und Gregory Itzin als Präsidenten, den man liebt zu hassen, liefern eine fesselnde Darstellung, erinnern an die Dramen, die Sherry und David uns vor langer Zeit geboten haben.
Und doch gibt es grundlegende Unterschiede.
Während David und Sherry beide starke Charaktere waren, die sich wiederholt Contra bieten konnten, sind beide, Martha und Charles schwach, unsicher, zweifelhaft in jeder Hinsicht.
Martha gelingt es schließlich über sich selbst hinaus zu wachsen, sie überwindet Angst, Abscheu und Schwäche. Doch ist es nicht im Grunde die Freundschaft mit David Palmer, die ihr auch über seinen Tod hinaus Stärke verleiht, die ihr den nötigen Schubs gibt, die Kraft sich aus der Sackgasse in der sich ihr Leben befindet, zu befreien?
Der Tod des Ex-Präsidenten motiviert sie zum Handeln, der Schock bringt sie dazu Fragen zu stellen, zu zweifeln und schließlich Risiken einzugehen.
(Bild2)
Geboren am 13.9.1951 in den USA spielte sie in zahlreichen Film und Fernsehrollen, ihre Bandbreite reicht von Shakespeare bis zur Synchronstimme von Dr.Possible. Über Off-Broadway und Broadway führte ihr Weg sie begleitet von zahlreichen Nominierungen für Filmpreise und zwei erhaltenen Emmies für ihre Teilnahme an der TV-Serie Frasier, aktuell zu einer TV-Rolle an die Seite John Goodmans, zu dem 2007 Kinofilm ‘Glück im Spiel’ und nicht zuletzt zu einer Emmy Nominierung für 24, ebenso wie ihren 24-Gatten Kollegen Gregory Itzin.
Mit 13 Jahren wurde bei ihr Diabetes diagnostiziert, bereits auf der Highschool erwachte in ihr der Wunsch zum Theater zu gehen. Sie studierte Theaterwissenschaften und arbeitete sich über Bühne und zahlreiche, eher erfolglose Sitcoms, z.B. ‘Reggie’( 1983 ) oder ‘Lehrer nur’( 1982 ) nach oben.
1983 erhielt sie den Los Angeles Theater Kritikerpreis. Zu sehen war sie u.a. neben Bruce Willis in ‘The Kid’, in ‘Haus über Kopf’, ‘Schneefrei’oder in der ‘Brady Family’.
Sie ist verheiratet mit Richard Gilliland, den sie bei Dreharbeiten kennengelernt hat und der einen kurzen Auftritt als namenloser Pilot in 24 hatte. Sie haben einen gemeinsamen Sohn namens Connor, geboren 1989.
Mit Gregory Itzin stand sie bereits vor ungefähr 20 Jahren auf der Bühne, ein Umstand den die Requisite nutzte um ein Photo aus dieser Zeit in die Dekoration der Präsidentensuite aufzunehmen. Für ihren aufopferungsvollen Einsatz gegen Ende des verhängnisvollen fünften Tages erhielt Jean Smart begeisterten Applaus von allen Seiten, und mit Sicherheit wird diese Rolle nicht das Letzte, vermutlich noch nicht einmal das Beste sein, das wir noch von ihr sehen werden.
Ihre Autogrammadresse lautet:
Jean Smart
c/o William Morris Agency
One William Morris Place
Beverly Hills,
CA 90212, USA
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